In den letzten Wochen musste ich ziemlich häufig feststellen, dass ich unausgeglichen und schnell gestresst war. Ich habe mich gefragt, wann es angefangen hat oder womit es zusammen hängen könnte und habe festgestellt, dass ich gerade kaum Zeit für meine Seele, meinen Geist und für Gott nehme.
Ich bin so jemand, die das braucht, wie Nahrung für den Körper. Wenn ich mir die Zeit nicht nehme, dann werde ich schwächer, meine Haut wird dünner und ich bin nicht mehr so standhaft.

Die Frage, die sich dann für mich auftut ist, warum ich etwas, das für mich so essenziell wichtig ist, so selten mache? Ich bin noch auf dem Weg das herauszufinden, aber was mir zur Zeit so klar wird, wie nie zuvor, ist, dass ich eben nicht immer nur das Opfer äußerer Umstande und auch nicht meiner eigenen Laune bin, sondern dass ich mit meinen täglichen noch so unbedeutend erscheinenden Entscheidungen vieles selbst verändern kann.
Wenn es mir nicht gut geht, hängt es ganz oft mit meinen eigenen Entscheidungen zusammen. Es fällt natürlich leichter die Umstände oder andere Personen zu beschuldigen, weil man dann nichts an seinem eigenen Verhalten ändern muss.

Als arbeitende Mutter bin ich nicht mehr ganz so flexibel mit meinem Tagesablauf, aber selbst das ist kein Grund nicht bewusst gute Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für mich selbst zu übernehmen. Wie ich zum Beispiel meinen Abend verbringe, vor allem die Zeit kurz bevor ich einschlafe, prägt nicht nur meinen Schlaf an sich, sondern auch meinen kommenden Tag. Ich merke sofort an meiner Energie am Morgen, wie ich den Abend zuvor verbracht habe. Und da bin ich zur Zeit oft in ungesunde Routinen gerutscht. Es ist fast als würde ich vor mir, vor Verantwortung und letztendlich auch vor Gott flüchten. Wenn ich mal Zeit habe und mir der Gedanke kommt: Ich könnte jetzt mal wieder etwas malen und Lobpreismusik hören, oder einfach nur in der Stille meditieren, mit Gott sprechen, etwas Gutes, Reichhaltiges lesen, spazieren, Sport machen, Briefe oder Tagebuch schreiben, dann drängt sich blitzschnell ein anderer Gedanke dazwischen wie: Du hast schon lange nicht mehr Instagram gecheckt, nicht dass du was verpasst, da war doch letztens auf Youtube ein Video, das du gucken wolltest, eine neue Serie anzufangen wäre auch eine gute Idee.. und welcher Gedanke siegt wohl die meiste Zeit? Der bequemere, einfache natürlich. Wie gesagt, es sind die kleinen Entscheidungen oder ‘Fehltritte’, wenn man so will, die im einzelnen vielleicht völlig unbedeutend sind, aber wenn es zur Gewohnheit wird, sehr schnell überhand gewinnen und von einen wirklich erfüllten Leben fernhalten.

Ich habe letztens ein Gedicht von Kalil Gibran gelesen, dass mich gerade in diesem Zusammenhang sehr zum Nachdenken angeregt hat:

Du stutzt deine Flügel
Gott hat deinem Geist Flügel verliehen,
mit denen du aufsteigen kannst
ins weite Firmament der Liebe und der Freiheit.
Und du jammervolles Geschöpf
stutzt diese Flügel mit eigener Hand
und lässt zu, dass deine Seele
wie ein Insekt am Boden dahin kriecht.

– Kalil Gibran

Gott hat mich mit Fähigkeiten ausgestattet, die auch mit Verantwortung einhergehen. Genau das ist es, wovor ich immer fliehe. Verantwortung. Ich tendiere oft dazu, zu prokrastinieren und aufzugeben, wenn etwas schwierig wird. Doch was ist das Resultat daraus? Ich stutze meine eigenen Flügel und verlerne zu fliegen. Doch weil es nicht meine Bestimmung ist, am Boden zu sein, sondern in der Weite Seiner Liebe und Freiheit, werde ich dadurch immer unglücklicher. Meine Seele weiß, wohin sie gehört und ich entscheide mich heute, mit meinem Blick auf Gott und seiner Bestimmung für mich, den Weg in die richtige Richtung zu gehen.

Fragen:

  1. Hast du bewusst gesunde Gewohnheiten in deinem Leben integriert?
  2. Was tut dir gut?
  3. Wozu hat Gott dich persönlich berufen?